Mein Spiegelbild – Fotoshooting zum Charitykalender „12Gesichter! 12 Geschichten!“

Im Endeffekt ging alles ganz schnell.
Ein Wimpernschlag und ein wundervoller Tag neigte sich dem Ende, die Sonne verschwand anmutig hinter dem Kölner Dom und spiegelte sich noch ein letztes Mal im Rhein. Die Luft wurde fühlbar frischer, die Straßenlaternen blitzen auf und mein Freund und ich verschwanden in unserem Campingbulli und kuschelten uns in unsere Schlafsäcke.

Was-Wäre-Wenn-Gedanken und Vorfreude.

Meine Vorfreude zum Fotoshooting für das Charityprojekt „12Gesichter! 12Geschichten!“ war viel intensiver und langatmiger als der große Tag selbst. Das Shooting verging so schnell, dass es für mich unmöglich war jede einzelne Sekunde zu fassen.
Im Juni habe ich von dem Projekt erfahren und mich ohne lang zu zögern beworben. Würde ich genommen werden, dann bestünde meine Mission darin nach Köln zu fahren und mich geschmackvoll schminken und fotografieren zu lassen.
Am Ende wäre ich Teil eines Alopecia Charitykalenders, dessen Erlös an den Verein Alopecia Areata Deutschland geht. Keine unmögliche Mission, dachte ich mir.
Im schlimmsten Fall hätte es eine Absage gegeben oder gar keine Rückmeldung. Ich hatte also nix zu verlieren.
Ganz unerwartet und schon halb vergessen landete ca. 3 Wochen später eine Zusage von Sebastian von Lovenberg, dem Leiter für Vertrieb und Marketing von Aderans Germany, in meinem E-Mail Postfach. Mir wurde sogleich ganz flau im Bauch. Ich war völlig überrascht und glücklich Teil des Projektes zu werden. Meine Was – Wäre – Wenn – Gedanken wurden tatsächlich zur Realität.
Zwischen der Zusage und dem großen Tag des Shootings lagen noch knapp vier Wochen. Genug Zeit, um meinen Urlaub an den Termin anzupassen, Kleidung auszuwählen, wieder zu verwerfen und neu auszusuchen, meinen Freund und meinen Bruder mit meinem Gerede über den Termin in den Wahnsinn zu treiben und mehrfach hin und her zu überlegen, ob ich nun doch meinen, wie von einem Babykopf geklauten, schillernden Haarflaum im Irostyle wegrasiere oder ihn weiter durch die Gegend leuchten lasse.

Köln ruft und ich folge.

Zum Fazit des Ganzen – Mein Bruder war froh, als der Tag endlich näher rückte und ich zusammen mit meinem Freund in den Campingbulli stieg, um die 590km von Berlin nach Köln zu düsen. So kehrte wieder Stille in unserer WG ein. Neben dem ganzen Reisegepäck für unseren Roadtrip-Urlaub, der im Anschluss an dem Fotoshooting stattfinden sollte, verstaute ich eine riesen Tasche voll mit Klamotten und Schuhen, da ich mich letztendlich nicht entscheiden konnte. Meine Perücke bekam für die Fahrt einen Ehrenplatz, festmontiert auf dem Perückenkopf am Tisch im Bulli. Jedes Mal, wenn ich an einer Raststätte die hintere Tür aufschob, kamen andere Reisende nicht drum herum, leicht verwirrt zweimal zu uns zu herüber zu schauen.
Der kleine Baby-Iro auf meinem Kopf musste dann doch vorher unter der Dusche weichen. Im Nachhinein gar keine schlechte Entscheidung, eine Woche später waren die Härchen wieder da und dazu sichtlich kräftiger.
In Köln angekommen suchten wir uns einen schmucken Campingplatz im Stadtteil Poll, direkt am Rhein, richteten unseren Bus für die Nacht her und bereiteten parallel auch schon alles, was wir für den nächsten Tag brauchten, vor.
Die Nacht war, wie zu erwarten, viel zu kurz gewesen und ohne viel Schlaf dann irgendwie doch überstanden. An unserem ersten Morgen in dem Bulli war Chaos natürlich vorprogrammiert. Zur Dusche lief ich zweimal, da ich beim ersten Mal die Hälfte meiner Duschutensilien vergessen hatte. Frisch geduscht, angezogen und geschminkt, aber mit fehlender Unterwäsche, lief ich wieder zurück zum Auto. Das war natürlich verschlossen, anders war es ja nicht zu erwarten, denn mein Freund hatte den Schlüssel und brauchte, warum auch immer, heute länger als ich unter der Dusche. Mit frischer Unterwäsche konnten wir dann endlich ein schnelles Frühstück, bestehend aus kaltem Tee, geschmierten Brötchen vom Vortag und Gurken aus unserem Minigärtchen Daheim, zu uns nehmen, denn die Zeit zum Termin wurde immer knapper.
Zum Schluss fehlte noch meine Perücke, die konnte ich aber schlecht in unserem Bulli aufsetzen, denn dafür fehlte die erforderliche Höhe im Auto. Also stieg ich erhobenen Hauptes aus dem Auto, öffnete den Kofferraum, der zugleich unsere Küche darstellte, stellte einen mobilen Spiegel auf und schwang mir vor den Augen der anderen Camper meine Perücke auf den Kopf, zupfte sie zurecht und kämmte meine Haare. Ich muss zugeben, es war mir ein Vergnügen. Ich glaube das war die Kür des ganzen Tages.

Der Fotoshoot – It’s a wrap.

Pünktlich öffneten wir die Tür des Fotostudios Balsereit im Herzen Kölns und wurden sogleich ganz herzlich von meinem Fotografen empfangen. Kurze Zeit später traf auch schon Sebastian mit einer Kollegin als Aderans Gesandter im Fotostudio ein, um mich den ganzen Tag zu begleiten, damit es mir auch an nichts fehlt. Gemeinsam liefen wir die Studiotreppe zur Fotolocation hinunter und der Fotograf erklärte mir seine Vorstellung vom Bild. Das Thema des Kalenders ist „Spiegelbild“. Somit bestand die Intention des Fotografen darin meine zwei Seiten, mit und ohne Perücke, in einem Bild darzustellen. Als Hilfe wurde dazu ein Spiegel genutzt. Zugleich hatte ich die Möglichkeit anzukommen, mir die Location in Ruhe anzuschauen, Probebilder zu machen und eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen. Wir tauschten uns über meine mitgebrachten Kleidungstücke aus und ich bemerkte, dass meine stundenlangen Überlegungen vor meinem Kleiderschrank völlig vergeudete Zeit waren, denn außer dem Oberteil wird sehr wahrscheinlich nicht viel Weiteres zu sehen sein. Nachdem ich mich umgezogen hatte schossen wir die ersten Bilder, ohne Perücke und ungeschminkt. Somit war der erste Teil ganz schnell im Kasten.
Im Anschluss ging es in die Maske. Viel hilft bekanntlich viel. Ich war selber verblüfft über meine Erscheinung, nachdem ich mich professionell geschminkt im Spiegel sah. Zum Schluss noch ein paar Wimpern für den perfekten Schwung und ich hatte für den restlichen Tag das Gefühl als hätte jemand Steine auf meine Wimpern gelegt. Ständig war ich versucht am äußeren Augenrand Schmutz zu entfernen, der sich immer wieder als Wimper entlarvte. Was machen wir Frauen nicht alles für den perfekten Ausdruck.
Der zweite Teil des Shootings mit Perücke, ging letztendlich weitaus schneller als die gesamte Zeit, die ich in der Maske verbrachte. Nach nur ein paar Kameraauslösern war das Bild auch schon im Kasten.
It’s a wrap – wurde spaßeshalber ausgerufen und ich konnte mich auch schon wieder umziehen.
Als Dankeschön konnte ich perfekt geschminkt noch für den restlichen Tag Köln erkunden, den Dom besteigen und, aufgrund des spiralförmigen Auf- und Abstieges, mit einen Drehwurm speiübel wieder verlassen. Den Abend ließen wir gemütlich am Rhein ausklingen.

Der Tag danach.

Am nächsten Morgen starteten wir erholt, geduscht, mit frischer Unterwäsche und ohne warten am Bulli, nach einem ausgiebigem Frühstück mit frischen Tee und Brötchen unsere kleine Bullitour quer durch Deutschland.
Die Perücke wurde samt Styroporkopf und Befestigung in einer Tasche verstaut.
Meine nächste Mission innerhalb unseres Urlaubes begann – den kompletten Roadtrip ohne Perücke zu erleben.
Für mich bedeutet es, das erst Mal für einen längeren Zeitraum, nicht auf meine Haare zurückzugreifen.

Lest den Artikel zu meinem Roadtrip quer durch Deutschland.

1 Kommentar

  1. schick schick schick…ich bin gesapannt auf den Kalender und deine Erzählungen demnächst… 😉

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